Kontakt Links Psychotherapie-Blog über mich mein Angebot Personzentriert Psychotherapie
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PSYCHOTHERAPIE PERSONZENTRIERT

im Raum Neunkirchen / Wr. Neustadt

A-2823  Pitten, Obere Feldstraße 283      Tel.: 0677 624 16 116      e-Mail: psy@harasko.eu

Dr. Gerald Harasko

Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision

Psychotherapie - Blog aus Wr. Neustadt / Neunkirchen NÖ

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Zwangsverhalten und Zwangsgedanken

19.11.2019

Der Drang zu wiederholten, oft ritualisierten Handlungen und/oder das wiederholte Auftauchen bedrohlicher Gedanken können zu extremem Leidensdruck betroffener Personen führen. Beim intensiven Erleben des Zwangs handelt es sich um eine stets wiederholbare Schutzfunktion zur Verhinderung realer Intensitätserlebnisse und vor unvorhersehbaren Veränderungen1. Häufig treten Zwänge bei Menschen auf, die in einem strengen Elternhaus herangewachsen sind. Oft gehen sie mit einem sehr perfektionistischen Selbstbild einher.

Während die Verhaltenstherapie den Weg der Konfrontation sucht, geht die Personenzentrierte Psychotherapie einen anderen Weg: Im Schutz der therapeutischen Beziehung werden die den Zwängen zugrunde liegenden Emotionen und Bedürfnisse aufgespürt. Mit einem besseren Kennenlernen der eigenen Bedürfnisse baut sich ein Sicherheitsgefühl auf, welches die Zwänge als Schutz überflüssig werden lässt. Mit zunehmendem Vertrauen in sich selbst stellt sich eine Nachhaltigkeit der Wirkung der Psychotherapie ein. Damit kann an den Ursachen des Zwangsverhaltens bzw. der Zwangsgedanken angesetzt werden und einem späteren Wiederaufflammen oder einer Verschiebung eines Zwangs zu einem anderen von vornherein gut entgegengewirkt werden.

1 Teusch, L. (2014). Zwangsstörungen. In G. Stumm & W. W. Keil (Hrsg.), Praxis der Personzentrierten Psychotherapie (S. 221-225). Wien: Springer.

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Freiheit und Personenzentrierte Psychotherapie1

25.10.2019

In den 1930er und 1940er-Jahren entstand Carl Rogers' Ansatz der Personenzentrierten Psychotherapie als Gegenbewegung zum autoritären Modell von Beratenden, welche die Ziele für ihre Klientinnen und Klienten wählen. Nicht Anordnen, Verbieten, Ermahnung, Suggestion, Ratschläge oder intellektuelle Interpretation, sondern allein die Intentionen der Klientinnen und Klienten standen für Rogers im Fokus der Beratung bzw. Psychotherapie. Umfangreiche empirische Untersuchungen belegen eindrucksvoll die Wirksamkeit des Personenzentrierten Ansatzes.

Bis heute ist es jedoch eine selbstverständliche Gewohnheit, bzw. sogar Erwartung, sich bei jeder Gelegenheit Verhaltensregeln geben zu lassen: sei es von einer Gesetze exekutierenden Behörde im Gemeinwesen, von der Vorgesetzten am Arbeitsplatz, von der konsultierten Ärztin im Gesundheitswesen, vom Pädagogen in der Schule bzw. im Kindergarten, von den Eltern oder gar dem Partner daheim. Gesellschaftlich häufen sich gerade aktuell politische Bestrebungen, als überholt geglaubte autoritäre Denkweisen wieder zur Norm zu erheben.

Noch raffinierter aber wirkt in unserer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft eine Selbstdisziplinierung: Aus dem Druck heraus, nicht unterzugehen, werden die Normen unseres sozialen Umfelds internalisiert und auch entgegen eigenen Bedürfnissen befolgt. Das kann durchaus mit dem Eindruck persönlicher Freiheit verbunden sein, gleichzeitig aber selbstzerstörend wirken, wie zahlreiche an Burnout leidende Menschen zeigen. Wie kann es möglich sein, sich ohne sichtbaren Zwang selbst zu schaden?

Kann Freiheit andererseits Grenzenlosigkeit bedeuten? Kann es Freiheit sein, ohne jede Rücksicht auf andere zu handeln? Kann es Freiheit der einen geben, die auf Kosten der Freiheit anderer geht? Der gesellschaftliche Begriff der Freiheit scheint unklar und nicht einfach fassbar! Das führt dazu, dass klar autoritäre Tendenzen unter dem Deckmantel der Freiheit schmackhaft gemacht werden können, wie zum Beispiel der in den letzten Jahrzehnten geprägte Begriff der Illiberalen Demokratie zeigt.

Der Personenzentrierte Ansatz von Rogers ist geeignet, mehr Klarheit zu vermitteln, was Freiheit ist. Die personenzentrierte Haltung ist ohne Freiheit von miteinander in Beziehung tretenden Personen nicht denkbar. Gleichzeitig beschreibt die personenzentrierte Theorie sehr genau, was diese Haltung ausmacht:

  • nicht an Bedingungen geknüpfte Wertschätzung,
  • empathisches Verstehen der Gefühle und der Gedanken des Gegenübers und
  • Echtheit dieser Einstellungen auf einer tieferen oder unbewussten Ebene.

Wo immer in unserer Gesellschaft diese Haltung vorliegt, hat Freiheit ihren Platz. Eine personenzentrierte Haltung ist ein klarer Prüfstein für Freiheit in einer Beziehung zwischen Menschen. Insofern die Gesellschaft mit ihren Institutionen die Summe aller zwischenmenschlicher Beziehungen ist, kann die Verbreitung personenzentrierter Haltung Prüfstein für gesellschaftliche Freiheit sein. Der Personenzentrierte Ansatz ist geeignet, mehr Klarheit zu schaffen, was Freiheit bedeutet.

1 Harasko, G. (2019). Nicht-direktiv von Person zu Person (Abschlussarbeit zum Fachspezifikum Personenzentrierte Psychotherapie). Vereinigung Rogerianische Psychotherapie, Wien.

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Grünraum und psychisches Wohlbefinden

07.08.2019

Viele Menschen schätzen den wohltuenden Effekt eines Aufenthalts in der Natur. Aber auch wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich dem Thema:

Gemäß einer dänischen Studie leiden Menschen, die in einem natürlichen Umfeld aufgewachsen sind, um 55% seltener an psychischen Erkrankungen als Gleichaltrige, die während ihrer Kindheit über keinen Zugang zu Grünraum im unmittelbaren Wohnumfeld verfügt haben1. Dabei wurden Einflüsse sozialer Faktoren berücksichtigt und entsprechend herausgerechnet.

In den USA wurde ein Zusammenhang zwischen einer Verringerung von Stressmarkern im Blut und regelmäßigen Aufenthalten im Grünen festgestellt: Schon 20 bis 30 Minuten täglichen Aufenthalts im Grünen bewirken eine deutliche Senkung der Stressmarker, wenn mit dem Aufenthalt keine oder nur geringe körperliche Aktivität verbunden ist2. Ein kurzes Verweilen auf dem Parkbankerl oder ein kurzer Waldspaziergang haben demnach einen deutlichen Effekt auf das Stressniveau.

Eine australische Studie beschäftigt sich mit der Art des Grünraums hinsichtlich ihrer positiven Wirkung auf die Psyche3. Sie stellt fest, dass aus Rasen und Gebüsch bestehende Grünflächen einen Effekt missen lassen, während das Risko, psychisch zu erkranken, in der Nachbarschaft von Bäumen um ein Drittel sinkt und auch der allgemeine Gesundheitszustand von im Umfeld von Bäumen lebenden Menschen besser ist.

1 Engemann, K., Pedersen, C. B., Arge, L., Tsirogiannis, C., Mortensen, P. B., & Svenning, J.-C. (2019). Residential green space in childhood is associated with lower risk of psychiatric disorders from adolescence into adulthood. Proceedings of the National Academy of Sciences, 116(11), 5188-5193.

2 Hunter, M. R., Gillespie, B. W., & Chen, S. Y.-P. (2019). Urban Nature Experiences Reduce Stress in the Context of Daily Life Based on Salivary Biomarkers. Frontiers in Psychology, 10, 16.

3 Astell-Burt, T. E., & Feng, X. (2019). Increasing tree cover may be like a 'superfood' for community mental health. The Conversation Journal, (27 July), 1-6.

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Psychotherapie bei Borderline-Erleben

07.04.2019

Borderline-Erleben ist von starken und schwankenden negativen Stimmungen geprägt, welche als ein Chaos der Gefühle empfunden werden1. So wie die meisten psychischen Leiden hat Borderline-Erleben seinen Ursprung in psychosozialen Faktoren in Verbindung mit einer von vornherein erhöhten Verletzlichkeit.

Klinisch kann beobachtet werden, dass beim Borderline-Erleben intensivierte belastende Gefühle verbunden sind mit reduzierten Möglichkeiten zur Verarbeitung von Gefühlswahrnehmungen. Mittlerweile wurde erkannt, dass das nicht lebenslänglich so bleiben muss. Hilfe durch Psychotherapie ist möglich. Eine Psychotherapie führt generell zu einer breiteren Wahrnehmung von Gefühlen und zu deren Reflexion, so dass sie besser eingeordnet und verarbeitet werden können. Sie setzt somit genau beim Einbringen von Struktur in das Borderline-Erleben an.

Neurophysiologische Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren bestätigen auf faszinierende Weise die Problematik bei der Verarbeitung von Gefühlswahrnehmungen2. Dadurch wird das Verständnis des aus klinischen Beobachtungen bekannten allgemeinen Prinzips des Borderline-Erlebens erhärtet. Zur Linderung der individuellen Leidensgeschichte ist damit jedoch noch nicht viel gewonnen. Dazu ist ein Verstehen der individuellen Person mit ihren Gefühlen in ihrem psychosozialen Zusammenhang nötig. Ein solches individuelles Verstehen wird in einer Psychotherapie ermöglicht.

Für ein besseres Verständnis zwischen Angehörigen und Betroffenen angesichts der Belastung von Beziehungen durch Borderline-Erleben wurde die Plattform Borderline-Trialog3 ins Leben gerufen. Sie setzt sich die Begegnung zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten auf gleicher Augenhöhe zum besseren gegenseitigen Verstehen zum Ziel.

1 Bergemann, W. (2017). Wie sich Borderline heilen lässt: Ruhe nach dem Daueralarm. Deutschlandfunk.

2 Sosic-Vasic, Z. et al. (2019). Mirror neuron activations in encoding of psychic pain in borderline personality disorder. NeuroImage: Clinical, 22 (2019), 101737.

3 Boderline-Trialog

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Psychosen - Schutzmechanismus des Selbst

20.01.2019

Wenn sich die Wahrnehmung des Erlebten verändert, wird vom Vorliegen einer Psychose gesprochen. Dabei werden häufig Stimmen gehört oder Objekte gesehen, welche von anderen Menschen nicht wahrnehmbar sind.

Psychosen können organisch bedingt sein, z.B. durch Verletzungen oder Erkrankungen des Gehirns oder durch die Einnahme von Drogen. Häufig sind Psychosen aber psychisch bedingt. Psychisch hervorgerufene Psychosen können als "natürlicher" Schutzmechanismus verstanden werden, um unerträgliche, das Selbst zutiefst erschütternde Wahrnehmungen abzuwehren.

Bei psychotischer Symptomatik sollte eine Psychotherapie von einer medizinisch-psychiatrischen Abklärung und Behandlung begleitet werden. In einer Psychotherapie können die Auslöser psychisch bedingter Psychosen bearbeitet werden. Damit können die auslösenden Faktoren einer Psychose minimiert werden, die "Schutzfunktion" der Psychose wird nicht mehr benötigt. Die Psychose begleitende quälende Gefühle werden schwächer oder verschwinden ganz.

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Einfluss fehlender elterlicher Zuwendung auf aggressives Verhalten

09.12.2018

Gefühllosigkeit wird oft landläufig als weitgehend vererbter Charakterzug gesehen. Kürzlich wurde im Journal of the American Academy of Child & Adoloescent Psychiatry eine Studie veröffentlicht, welche einen klaren Zusammenhang zwischen dem Fehlen elterlicher Zuwendung und gefühllosem, aggressivem Verhalten von Heranwachsenden feststellt.

Dabei wurden eineiige Zwillingspaare untersucht. Die Eltern wurden zu Unterschieden ihres Verhaltens gegenüber ihren Kindern in Bezug auf Härte und gefühlvoller Wärme befragt, und von den Müttern wurden überdies Angaben zum Verhalten ihrer Kinder eingeholt. Daraus ergab sich bei identischer genetischer Voraussetzung ein klarer Zusammenhang zwischen gefühlloserem elterlichen Verhalten und Gefühllosigkeit bzw. aggressivem Verhalten des davon betroffenen Kindes. Fehlende elterliche Zuwendung korreliert demnach bei Ausschluss allfälliger genetischer Effekte unabhängig von Geschlecht und Alter eindeutig mit Aggressivität und gefühllosem Verhalten der Kinder. Ein niedriges Familieneinkommen verstärkt diese Korrelation.

Die Studie ist ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig elterliche Zuwendung und elterliche Wärme für unsere Entwicklung ist. Wir konnten wohl alle in unserer Kindheit die eigene Erfahrung machen, wie bedeutend für uns Verständnis und unbedingte Wertschätzung waren.

Waller, R., Hyde, L. W., Klump, K. L., & Burt, S. A. (2018). Parenting Is an Environmental Predictor of Callous-Unemotional Traits and Aggression: A Monozygotic Twin Differences Study. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 57(12), 955-963. https://doi.org/10.1016/j.jaac.2018.07.882

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Paartherapie und Beziehung

18.11.2018

Wir fühlen uns nicht mehr verstanden. Mitteilungen unserer Partnerin oder unseres Partners gehen an den eigenen Bedürfnissen vorbei. Wir bekommen das Gefühl, dass die eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen, dass die Beziehung zunehmend einen einmal eingespielten unausweichlichen Verlauf nimmt und oberflächlich wird.

Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht wahrnehmen können, wird unsere Kommunikation widersprüchlich. Was wir bewusst mitteilen, unterscheidet sich von dem, was unsere Partnerin oder unser Partner "zwischen den Zeilen" herauslesen kann. Unser Gegenüber neigt dazu, darauf ebenfalls widersprüchlich zu reagieren. Beide werden sich unverstanden, ja von der anderen Person bedroht fühlen, sie werden eine verteidigende Haltung einnehmen. Die Beziehung wird von beiden zunehmend als oberflächlich und als unbefriedigend erlebt, das Sexualleben wird beeinträchtigt.

Wenn es uns gelingt, die Widersprüche in uns zu klären, uns so anzunehmen, wie wir sind, wird auch unsere Kommunikation weniger widersprüchlich sein. Das fördert klarere Reaktionen unseres Gegenübers. Beide fühlen sich verstanden und so geschätzt, wie sie sind. Die Beziehung wird tiefer und befriedigender.

Personzentrierte Paartherapie geht von den beiden Individuen aus. Die Entfaltung, das Wachstum des Einzelnen wird als Kern für gegenseitiges Verstehen gesehen, worauf die Beziehung als befriedigend erlebt werden kann.

  • Dieser Entfaltungsprozess kann von einer der Personen einer (Paar-)Beziehung ausgehen, oder
  • es kann in einer Paartherapie bzw. Paarberatung von beiden Individuen parallel ausgegangen werden, oder
  • mehrere Paare können sich in einer Therapiegruppe miteinander auf den Weg des individuellen Entfaltungsprozesses machen.

In jedem Fall ist das Individuum mit seinen Bedürfnissen der Ausgangspunkt für einen Prozess, an dessen Ende ein neuer Blick auf sich selbst, auf die Partnerin oder den Partner, sowie auf die Beziehung steht.

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Krise und psychischer Notfall

11.11.2018

       Notrufnummern finden Sie hier

Die Gedanken drehen sich im Kreis, Zerstreutheit stört das Denken, Emotionen können nur schwer wahrgenommen werden oder Gefühle wie Angst, Hoffnungslosigkeit, Trauer, Wut werden übermächtig, Gedanken an Suizid können sich breit machen. Das deutet auf eine psychische Krise hin. Krisen haben stets einen Auslöser. Das kann ein plötzlich eintretendes bedrohliches Ereignis sein (z.B. Tod nahe Stehender, Krankheit, Beziehungskrise). Aber auch eine lang andauernde Belastung durch eine Veränderung im Leben kann eine Krise auslösen. Dabei kann es sich auch um Veränderungen handeln, die positiv gesehen werden (z.B. Schwangerschaft, Heirat, Pensionierung). Wie gut eine Bedrohung bewältigt werden kann, hängt sehr von der Ausgangsstabilität der Persönlichkeitsstruktur ab.

Nach plötzlichen bedrohlichen Ereignissen führt eine anfängliche Schockphase zu Orientierungslosigkeit, Erstarren, Einengung des Bewusstseins oder zu einer Art Betäubung, bei der sich die Person so empfindet, als geschehe alles rund um sie ohne ihre Anteilnahme.

Der Schockphase folgt eine Reaktionsphase, die durch ein Chaos der Gefühle oder eine Depression gekennzeichnet sein kann. Schließlich kann es danach zu einer Bearbeitung der Bedrohung und im guten Fall zu einer Neuorientierung kommen. Im ungünstigen Fall, wenn die Bearbeitung nicht gelingt, kann sich eine Krise chronifizieren.

Entsprechend dieser Phasen geht es bei der Bewältigung einer Krise zuerst einmal darum, den Krisenanlass bzw. die Krise zu verstehen, was oft nicht leicht ist. Das Nachspüren von Gefühlen, die mit der Bedrohung einhergehen, entlastet, und es können einerseits gewohnte Strategien zur Bewältigung neu aktiviert werden, andererseits neue Lösungen zur Bewältigung der Bedrohung gesucht werden.

In der Konfrontation mit andauernden Belastungen bleibt das gewohnte Verhalten zur Problemlösung wirkungslos und die Person fühlt sich als Versagerin, weil sie die Krise nicht bewältigen kann. Eine Mobilisierung sämtlicher interner wie externer Ressourcen kann zu einer Bewältigung der Krise führen. Wenn das nicht gelingt, folgt Resignation und es kommt zu einer Chronifizierung: Rat- und Orientierungslosigkeit machen sich breit, und häufig kommt es zu Substanzmissbrauch, suizidalem Verhalten oder zum Ausbruch von Krankheiten. Nach einer Bearbeitung der Krise in einer Psychotherapie kann schließlich eine Neuorientierung erfolgen.

Wenn Gedanken daran, sich selbst zu töten, übermächtig werden, scheuen Sie nicht, sich rasche Hilfe zu holen. Hier finden Sie Notrufnummern, an die sie sich wenden können.

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Angst und Panikattacken

5.11.2018

Angst wird als sehr qualvoll erlebt, wenn sie über längere Zeit anhält. Angst kann ohne ersichtliche Bedrohung auftreten und dabei so stark sein, dass sie nicht mehr kontrolliert oder ausgehalten werden kann. Angst verursacht damit großes Leid und kann das Leben aufs Äußerste einschränken, weil sich alles auf sie zu konzentrieren scheint.

Angst kann bei manchen Menschen ganz allgemein vorherrschen, ohne auf bestimmte Situationen beschränkt zu sein. Bei anderen sind bestimmte Gegenstände oder soziale Situationen mit starken Angstgefühlen verbunden.

Angst kann sich auch in wiederkehrenden schweren Panikattacken äußern. Panikattacken werden oft mit einem Herzinfarkt verwechselt, sind aber eine natürliche körperliche Reaktion der Flucht- bzw. Angriffsbereitschaft auf eine vermeintliche Bedrohung: Atemnot, ein Gefühl der Enge im Brustbereich und in der Kehle, schneller Atem, Schweißausbrüche, Herzrasen, Schwindelgefühle, ein Zittern und Übelkeit können die Kennzeichen einer Panikattacke sein. Oft sind Panikattacken mit dem Gefühl verbunden, wie weggetreten oder benommen zu sein, nicht mehr selbst zu sein. Panikattacken können von einigen Minuten bis zu einer halben Stunde andauern. Es ist auch eine natürliche Reaktion des Körpers, diese Alarmsituation nach längstens etwa 30 Minuten wieder zu beenden.

Panikattacken sind das Ergebnis automatisierter emotionaler und gedanklicher Vorgänge. Sie beruhen auf der Fehlinterpretation körperlicher Wahrnehmungen, die im Lauf der Zeit durch Wiederholung "gelernt" und so fest verankert wird. Panikattacken können dann durch äußere Situationen ausgelöst werden, die keinen ersichtlichen Zusammenhang mehr mit der Ursache der Angst aufweisen.

In einer Psychotherapie ist es möglich, eigenen Bedürfnissen nachzuspüren und ihnen ausreichend Raum zu geben. Körperliche Wahrnehmungen können so neu interpretiert werden, sodass Panikattacken nicht mehr auftreten und Angstgefühle nicht mehr zur Qual werden.

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